Behandlungsabbruch

Behandlungsabbruch ist eines der größten Probleme der Tuberkulosebehandlung heutzutage. Manchen von uns fällt es schon schwer, bei einer einfachen Lungenentzündung unsere Antibiotika sieben Tage lang einzunehmen. Tuberkulosepatienten müssen ihre Behandlung mehrmals die Woche für mindestens ein halbes Jahr durchstehen. Die mangelnde Aufklärung über die möglichen Konsequenzen eines Behandlungsabbruchs, die häufig unter TB-Patienten in den Entwicklungsländern herrscht, verschlimmert nur die Situation, die als  größte Ursache der Arzneimittelresistenz benannt wird.

Die langwierige Behandlung von 6-8 Monaten führt auch häufig dazu, dass Patienten sich dazu entscheiden die Behandlung abzubrechen, insbesondere da die Symptome der Krankheit gewöhnlich nach ca. 2 Monaten nachlassen, während die Nebenwirkungen der verschiedenen Antibiotika anhalten. Dies hatte in der Vergangenheit zur Folge, dass Arzneimittelresistenzen (Multi-Drug Resistant oder MDR-TB) entstanden und die gewöhnlichen Tuberkulose Medikamente wirkungslos wurden. Als Antwort darauf entwickelte die Weltgesundheitsorganisation die DOTS Kurzzeitbehandlung (Directly Observed Treatment Short course), unter der Patienten täglich während des Behandlungszeitraums die Medikamente unter Aufsicht eines Mitarbeiters des Gesundheitswesens einnehmen müssen.

Ob man sich darauf verlässt, dass die Krankheit schon frühzeitig besiegt wurde, keine Lust oder Zeit für die täglich Tour zum Arzt hat oder sich die Medikamente mangels Versicherung und öffentlichen Gesundheitseinrichtungen nicht leisten kann, dieses persönliche Versagen hat Tuberkulose wieder zu einem brennenden Thema gemacht. Auch in der westlichen Welt, wo vermehrt durch Auslandsreisen und Einwanderer, aber auch Drogenabhängigkeit, wachsende HIV/AIDS Zahlen und Obdachlosigkeit das Problem wieder anwächst, bleiben wir nicht verschont. In Osteuropa und Russland wird geschätzt dass mindestens jede fünfte TB Neuerkrankung arzneimittelresistent ist.

Und selbst bei MDR-TB Patienten, deren Behandlung jetzt 18-24 Monate dauert, etwa 2000-mal so teuer ist, und wesentlich stärkere Nebenwirkungen mit sich ziehen, hat Behandlungsabbruch mittlerweile dazu geführt, dass sich noch resistentere Stränge (Extensively Drug-Resistant oder XDR-TB und Extremely Drug-Resistant oder XXDR-TB) gebildet haben, wie das deutsche Ärzteblatt knapp, aber informativ beschrieben hat. Für diese Stränge gibt es derzeit keine wirklich effektive Therapy. Diesen Patienten bleibt lediglich die Linderung der Symptome auf der Isolierstation. Dass XDR im Vormarsch ist, hat sich auch daran gezeigt, dass es überall auf der Welt diese Fälle gibt – auch in Europa und Deutschland.

Darauf zu achten, dass unsere Partnerorganisationen sich besonders auf die Einhaltung der Behandlung und der Vorbeugung und Wiederfindung von abbrechenden Patienten, liegt unserem Verein bei der Beurteilung unserer Spendenempfänger dadurch natürlich auch sehr nahe.

Hollywoodfilme wie Outbreak – Lautlose Killer, 28 Days Later und Contagion machen Schlagzeilen mit der Dramaturgie des Ausbruchs von Killerkeimen, jedoch bleiben Berichte über die mögliche Epidemie von wahren Superbakterien größtenteils unbeachtet. Vielleicht liegt der Grund dafür in der geringen Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung für uns. Auf jeden Fall hat die generelle Gleichgültigkeit über diese vergessene Seuche es ermöglicht, dass sie vielleicht auch wieder hierzulande ein ernstes Thema werden könnte. Lesen Sie mehr im nächsten und letzten Abschnitt der Problematik dazu.

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