Faces of TB

Tuberkulose, auch bekannt als Schwindsucht, klingt wie eine Krankheit aus einem vergangenen Jahrhundert. Trotzdem erkranken jedes Jahr rund 1,5 Millionen Menschen an der Infektionskrankheit, welche bis heute zu den häufigsten, heilbaren, jedoch auch tödlichsten Infektionskrankheiten der Welt gehört. Insbesondere ist Tuberkulose ein Problem von Entwicklungsländern und ärmeren Schwellenländern. Die zunehmende Globalisierung und der damit einhergehende Anstieg an Touristen und Reisenden führt jedoch zu der Verbreitung der Krankheit. Gleichwohl ist die Behandlung von Tuberkulose in Industrieländern zumeist aus finanzieller Sicht kein Problem oder sogar durch soziale Sicherungssysteme gedeckt. Im Gegensatz dazu wird in Vietnam die Krankheit immer noch “Krankheit der Armen” genannt. Tausende Menschen sterben dort jährlich aus dem einfachen Grund, dass die Behandlung der Tuberkulose für die meisten Betroffenen nicht bezahlbar ist.

“Faces of Tuberculosis” ist eine neue Serie in der wir Euch das Leben von Tuberkulose Patienten in Vietnam vorstellen. Jeden Monat werden wir die Lebens- und Krankheitsgeschichte eines unserer Patienten darstellen, ihre Zukunftspläne und Wünsche sowie Ängste und Herausforderungen mit denen sie sich jeden Tag konfrontiert sehen. Wir sind sehr dankbar, dass unsere Patienten den Willen und Mut besitzen ihre Geschichte mit uns zu teilen. Dennoch gehören diese zu einem geringen Teil von Infizierten, welche die Möglichkeit haben eine Therapie in Anspruch zu nehmen –  unser Verein möchte dies ändern und setzt sich jeden Tag aufs Neue für die Entdeckung von Krankheitsfällen und deren Behandlung ein!

VUONG (38): WO EIN WILLE IST, IST AUCH EIN WEG


An dem Tag, an dem bei mir multi-resistente Tuberkulose diagnostiziert wurde, dachte ich, dass ich alles verloren habe. Als Mann des Hauses war ich daran gewohnt mich um meine Familie zu kümmern. Weil mein Gesundheitszustand jedoch immer schlechter wurde, musste ich meinen Job kündigen. Ich wollte am Anfang sogar auch meine Therapie abbrechen, als es mein Gesundheitszustand zur Beginn der Therapie noch schlechter wurde. Ich hatte keinen Appetit mehr, musste mich übergeben, war immer müde und verlor meine Sehkraft. Meine Frau musste ebenfalls ihren Job aufgeben, damit sie sich um mich kümmern konnte. Seit ich Tuberkulose hatte, fühlte ich mich nutzlos und miserable. Die finanzielle Last war so groß, dass meine Ehe drohte auseinander zu gehen.

Zum Glück gab es Frau Hue, eine Beraterin des PROPER CARE Programms. Seit dem ersten Tag meiner Therapie, war sie immer an unserer Seite. Sie überzeugte mich davon, dass ich durch die Therapie die Tuberkulose besiegen und ein normales Leben führen kann. Sie half uns ebenfalls bei unseren Ehe-Problemen. Nun, nach 8 Monaten der Behandlung geht es mir besser und die Nebeneffekte der Medikamente sind schwächer geworden. Ich habe wieder 20 kg an Gewicht zugenommen. Diese Entwicklung gibt auch meiner Familie Hoffnung. Gleichzeitig führt meine Genesung aber auch zu einer Veränderung der Einstellung in unserer Nachbarschaft, die Tuberkulose lange Stigmatisiert haben – Tuberkulose ist eine behandelbare und heilbare Krankheit!

Wie jeder Patient der an multi-resistenter Tuberkulose erkrankt ist, wünsche ich mir für die Zukunft eine komplette Heilung. Mit der Erfahrung die ich während meiner Therapie erhalten haben, möchte ich in Zukunft anderen Patienten wie mir helfen. Ich glaube: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!

Interview vom 22.11.2016, Namen wurden geändert.

THIEN (82): KAMPF GEGEN TUBERKULOSE IM HOHEN ALTER


Ich leide bereits seit 2 Jahren unter Husten mit Sputum, aber ich traue mich nicht einen Arzt deswegen aufzusuchen, da ich keine Bürde für meine Familie sein möchte. Erst als ich in den letzten Monaten einen extremen Gewichtsverlust erlitten (v0n 40 kg auf 26 kg) und Atemnot hatte, hat mich mein Sohn in ein örtliches Krankenhaus gebracht. Die Ärzte hatten mich dort sofort auf die Bezirks-Tuberkulose-Station verlegt. Zur Bestätigung der Diagnose, dass ich an Tuberkulose leide führten die Ärzte eine Röntgenuntersuchung meiner Brust durch und fragten mich nach einer Probe meines Auswurfes. Meine Behandlung mit Medikamenten gegen Tuberkulose hat nun vor einer Woche begonnen, allerdings fühle ich mich durch die Einnahme der Tabletten schlecht, ich leide nun an Übelkeit und Erbrechen, Seh- sowie Sprachverlust.

Ich lebe mit 5 Nachkommen meiner Familie in einem gemieteten Haus. Ich habe kein eigenes Zimmer und muss daher immer eine Maske tragen um meine Familie nicht zu gefährden und die Krankheit zu übertragen. Seit dem Tag meiner Diagnose besucht mich ein Berater des PROPER CARE Programmes regelmäßig, der mich ermutigt meine Therapie fortzusetzen und meine Familienmitglieder dazu auffordert regelmäßig Untersuchungen und Screenings für Tuberkulose vorzunehmen.

Meine derzeitige gesundheitliche Situation erlaubt mir nicht das Haus zu verlassen. Deswegen wissen andere Menschen außer meine Familie nichts von meiner Erkrankung und Situation. Meine Familie erzählt in unserer Nachbarschaft ebenfalls nichts von meiner Erkrankung, da sie Angst haben deswegen diskriminiert und ausgeschlossen zu werden.

In meinem Alter wünsche ich mir nichts sehnlicher als so schnell wie möglich gesund zu werden. Die Krankheit zwingt mich den ganzen Tag im Bett liegen zu bleiben, was sehr ungemütlich für mich ist.

Interview vom 22.11.2016, Namen wurden geändert.

MINH (36): WÜNSCHT SICH VOR ALLEM EINE VOLLSTÄNDIGE GENESUNG


Report1Das ist das zweite Mal das ich aufgrund von Tuberkulose behandelt werde. Im Vergleich zum letzten Mal waren die Symptome jedoch nicht offensichtlich und äußerten sich in Husten und Rückenschmerzen. Ich besuchte viele Ärzte in den lokalen Kliniken, aber ihre Behandlung half nicht um meine Schmerzen zu reduzieren. Einige Wochen später fand ich außerdem einen Tumor an meinem Rücken, der von Tag zu Tag größer wird. Ich dachte gar nicht daran, dass ich einen Rückfall von Tuberkulose hatte bis ich einen Doktor am Pham Ngoc Hach Lungen-Krankenhaus besuchte. Mein derzeitiger Krankheitszustand umfasst einen Rückfall von Lungentuberkulose zusammen mit spinaler Tuberkulose. Deshalb erhalte ich nun Medikamente für eine multiresistente Form der Tuberkulose (MDR). Ich leide unter einigen Nebeneffekten der Medikamente, darunter Übelkeit, Hautläsionen und Gehörverlust, sobald ich meine Medikamente einnehme. Meine Medikamente einzunehmen ist deshalb eine Last für mich. Zusätzlich fühle ich mich auch schnell außer Atem und müde sobald ich mich körperlich betätige. Darum musste ich auch meinen Job als Sicherheitsmann aufgeben, da ich mich dazu einfach nicht mehr in der Lage fühlte. Aufgrund meiner physischen Schwäche sitze ich den ganzen Tag meisten nur in meinem Zimmer, was, neben der Krankheit ein weiterer Grund ist, warum ich Diskriminierung durch meine Mitmenschen erfahre. Nur Menschen die nichts über meine Krankheit wissen reden mit mir, andere und sogar meine Familie haben Angst mich zu beruhen und sogar mit mir zu reden. Sie haben Angst angesteckt zu werden. Deshalb isoliere ich mich mittlerweile und rede mit niemanden.

Das schlimmste ist, dass meine Frau ebenfalls an Tuberkulose erkrankt ist und eine Therapie gegen mulitresistente Tuberkulose erhält. Ihr Zustand ist sogar schlimmer als meiner. Deshalb sind wir auch so froh über die Hilfe die wir von unserer Familie, die katholische Stiftung, und dem Proper Care Programm erhalten. Nicht nur für den finanziellen Support sind wir dankbar, sondern auch für die mentale Unterstützung um mit der Krankheit jeden Tag umzugehen. Ich habe zwei Kinder: mein Sohn wird von meinen Eltern betreut, unsere Tochter, die bei mir und meiner Frau lebt, kann ohne Probleme in die Schule gehen, wofür wir sehr dankbar sind.

Für die Zukunft wünsche ich mir vor allem, dass ich und meine Frau vollständig genesen. Ich möchte, sobald die Therapie beendet ist einen neuen Job suchen, damit ich meine Familie finanziell unterstützen kann. Ich wünsche mir außerdem, dass ich genug Geld sparen kann um den Tumor von meinem Rücken entfernen zu lassen.

Interview vom 22.11.2016, Namen wurden geändert.